Vorurteile und Klischees

In unserer Gesellschaft kursieren vielfältige Zuschreibungen und Vorurteile, die Schwule und Lesben mit negativen Eigenschaften belegen, sowie mit pathologischen oder gar kriminellen Verhaltensweisen in Verbindung bringen. Oft sind diese Vorurteile bereits Kindern bekannt, unter Jugendlichen sind sie allgegenwärtig. Selbst Menschen mit hohem Bildungsgrad glauben oft an die klischeehaften Bilder von Lesben und Schwulen. Transportiert werden diese Zuschreibungen durch Witze, Schimpfwörter, Gerüchte, aber auch durch Veröffentlichungen in den Medien.

Mit dem auf Schulhöfen meist gebrauchten Schimpfwort „schwul“ wird vieles belegt, was nicht beliebt oder erwünscht ist. Gerade auch in den Medien werden immer wieder Stereotype von Lesben und Schwulen zur allgemeinen Belustigung verbreitet: Die verbitterte hässliche und maskuline Lesbe, die keinen Mann abbekommen hat; der feminin aussehende, nicht ernst zu nehmende Schwule, wird als Tunte dargestellt und ins Lächerliche gezogen.

Diese Vorurteile und abwertenden Beschreibungen werden immer wieder bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Homosexualität herangezogen. Die Auswirkungen dieser völlig verfehlten Vorstellungen können für die Betroffenen fatal sein.

Vorurteile lassen sich oft weniger durch Argumente als durch die Konfrontation mit der Realität abbauen, da das Wesen von Vorurteilen ja gerade die unsachliche Verzerrung der Realität ist. Ich möchte dazu beitragen, dass Diskriminierung und jede Form der Gewalt gegen lesbische und schwule Senioren abnimmt und mich aktiv gegen diese positionieren.

Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass Diskriminierung auch durch Ignorieren, Nichtbeachten und Verschweigen stattfindet. Gewalt kann durch aktives Handeln oder in der Pflege auch durch Vernachlässigung erfolgen.

Sich in einem Heim hinter einer „normalen“ Fassade verstecken zu müssen, bedeutet 30 oder 50 Jahre seines Lebens zu verheimlichen und Erlebtes, nie wieder mit jemanden teilen zu können. Es bedeutet auch, den geliebten Partner zu verleugnen und tagtäglich neue Geschichten zu erfinden. Es geht hierbei nicht um Sexualität, sondern um einen persönlichen und bewusst gewählten Lebensentwurf. Heterosexuelle Menschen wollen ihre Ehe und ihr Leben auch nicht lediglich unter dem Aspekt des Sexuallebens eingeordnet wissen. Vielmehr möchte ich gemeinsam mit Ihnen ein Klima der Offenheit schaffen, welches ein diskriminierungsfreies Leben in jeder Lebenslage möglich macht.

Unser Ziel ist die Schaffung einer Atmosphäre, in der ein „sich outen“ möglich, aber nicht Bedingung oder Voraussetzung ist. Für Lesben und Schwule ist das „Coming Out“ ein elementares und zentrales Lebensereignis. Mit dem sogenannten „Outing“ geht der Betroffene einen entscheidenden weiteren Schritt in die Öffentlichkeit, der nicht umkehrbar ist.

Daher ist es wichtig, das Beratungsstellen, Pflegekräfte und Ärzte verstehen können, was für ein einschneidendes Lebensereignis das „Outing“ für Schwule und Lesben darstellt.